Diabetes – auch eine Kopfsache

Der Entschluss, mit einer Diät endlich das Wunschgewicht zu erreichen, ist leicht gefasst. Doch zig Fallen lauern, die diesen festen Vorsatz für eine reduzierte Kalorienzufuhr ins Wanken bringen können: Langeweile, Reste im vollen Kühlschrank, Sonderangebote im Einkaufsmarkt, Ärger im Job, Streit mit dem Partner, der Duft ofenfrischer Pizza oder einfach nur Frust nach mehreren Tagen unveränderter Gewichtsanzeige beim Wiegen. 

Das Max-Planck-Institut für neurologische Forschung hat sich unter der Leitung von Prof. Dr. Jens Brüning das Ziel gesetzt zu untersuchen, warum es fettleibigen Menschen so schwer fällt abzunehmen. Unser Gehirn sorgt normalerweise über Hunger- und Sättigungsgefühle dafür, dass wir ausreichend, und doch nicht zu viel essen. Diese Grundregulation des Energiehaushaltes wird aber wesentlich beeinflusst von Faktoren wie Geselligkeit, Stimmung sowie der Fähigkeit, den oben genannten „Fallen“ zu widerstehen. Die Forscher vermuten, dass das Essverhalten maßgeblich von Gehirnstrukturen moduliert wird, welche für Wohlbefinden sorgen: dem Belohnungssystem.

Die Forschungsfragen

Haben fettleibige Menschen ein anderes Belohnungsverhalten als nicht fettleibige? Oder gibt es gar eine genetische Komponente, die einen Zusammenhang mit dem Lernen durch Belohnung oder Bestrafung zeigt? Ist die Aktivität in belohnungsassoziierten Gehirnarealen beim Anblick von leckerem Essen bei Menschen mit einer für Übergewicht risikobehafteten Genvariante anders als bei Menschen ohne diese? Oder gibt es Unterschiede im Risiko-verhalten bzw. in der Impulsivität zwischen Dicken und Dünnen?

Kooperation mit dem ZEDP

Das Max-Planck-Institut hat bei diesen Fragestellungen das Zentrum für Endokrinologie, Diabetes und Präventivmedizin (ZEDP) der Universitätsklinik Köln als wertvollen Kooperationspartner an seiner Seite. Das ZEDP (Direktor: Prof. Dr. Jens Brüning) bietet dem Max-Planck-Institut die Möglichkeit, Veränderungen des Belohnungsverhaltens im Zuge eines Diätprogramms zu untersuchen.

Die wissenschaftlich begleitete Diät

Dieses Diätprogramm, bei dem sich fettleibige Menschen anfänglich über eine Zeit von 12 Wochen ausschließlich von einer speziellen Proteinnahrung ernähren, wird durch Mediziner, Ernährungsberater, Sportwissenschaftler und Psychologen ein Jahr lang wöchentlich begleitet. Die ganzjährige Begleitung der Abnehmenden ist wichtig, um den allbekannten Jojo-Effekt – das nach einer Diät starke Zunehmen – zu verhindern. Dabei stellt insbesondere die verhaltenstherapeutisch geprägte Arbeit der Psychologen (u.a. Dr. Anne Kühn, MPI) einen wichtigen, motivierenden und Ausdauer aufbauenden Aspekt dar. Sich einzulassen auf eine Veränderung des Lebensstils und diese Veränderung langfristig beizubehalten ist eben eine Kopfsache, die nicht von heute auf morgen geht. Aber mit einiger Übung verbunden mit starker Unterstützung wird sie schließlich zur Routine.

 

Text als PDF

Bei Fragen zur Studie wenden Sie sich bitte an Dr. Anne Kühn.


Hintergrund

Normalgewicht als Diabetesprävention

Bei Fettleibigen ist die normale Stoffwechselregulation aus dem Gleichgewicht geraten. Die Gefahr für Folgeerkrankung wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus Typ 2 ist groß. Allein eine geringe Gewichtsabnahme kann oft dazu führen, dass eine Einnahme von Blutdruckmedikamenten oder das Spritzen von Insulin unnötig werden bzw. das Entstehen von Diabetes verhindert wird.

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