"Wir schauen ins Hirn, ohne den Kopf aufzumachen"

In einer Live-Demonstration der besonderen Art zeigte die In-vivo-NMR-Arbeitsgruppe von Mathias Hoehn vom Max-Planck-Institut für neurologische Forschung 13 wissbegierigen Kindern, wie ein Hirnscan bei einer Ratte gemacht wird. Bereits zum dritten Mal konnten Teilnehmer dieses KinderUni-Workshops mehr über Magnetresonanz­­<­>tomographie, Mikroskopie und Ratten erfahren.

Gewusst wie: Da der Zutritt ins Labor mit dem Magnetresonanztomographen (MRT) für Minderjährige nicht gestattet ist, hatte das 6-köpfige Team eine Live-Schaltung aufgebaut. So übertrug eine Kamera das Geschehen am Scanner auf eine Leinwand im Vorraum. Hier saßen die Kinder wie im Kino, nur ohne Popkorn. Nach einer kindgerechten Einführung in die MRT-Technik wurde der Star in die Manege geführt: eine weiße Ratte, in einer orangefarbenen Box. Etwas verschlafen wirkte sie. Verständlich, denn Nager sind ja nachtaktiv.

Problem: Nachtaktive Nager sind auch tagsüber rege

Da Ratten sehr neugierig und noch bewegungsfreudiger sind, würden sie nicht still halten, setzte man sie einfach so in den Scanner. Das gäbe verwackelte Bilder, auf denen sich nichts erkennen ließe. Deshalb wird sie für eine Aufnahme künstlich in Schlaf versetzt. Die Narkose wirkt schnell – binnen Sekunden. Weil eine narkotisierte Ratte ihre Körpertemperatur nicht gut regulieren kann, ist ein Wärmekissen in der benötigten Halterung eingebaut. Auf diese wurde die Ratte nun gelegt. Und ab in die Röhre. Los ging es mit der Messung.

Wartezeit = Fragezeit

Eine solche Hirnaufnahme benötigt mehrere Minuten. Die Zeit konnte gut genutzt werden, das bereits vorhandene Wissen der Kinder über die Nager allgemein und das Gehirn im Besonderen zu korrigieren und zu vervollständigen. Ab und an ein Blick auf die übertragenen Vitalfunktionen wie Atmung und Körpertemperatur zeigte, dass es der Ratte in der Röhre gut ging. Die „Wartezeit“ verging wie im Flug bei all den klugen Fragen, die die aufgeweckten Gäste stellten. Dann endlich war die 3D-Rekonstruktion fertig und los ging die Fahrt durchs Gehirn. Die Kinder erkannten Strukturen wie die Augen, den riesigen Riechkolben, die Hirnrinde, den Hirnstamm, das Kleinhirn.

Noch mehr Input

Nach einer kurzen Verschnaufpause ließen sich die Kinder im zweiten Teil des Workshops in geheime Zell-Welten im Mikroskop entführen. Hier konnte man Zellverbünde in unterschiedlichen Hirnschnitten erkennen, die durch spezielle Anfärbungen sichtbar gemacht worden waren. Ein weiteres Highlight war der Besuch im Verhaltenslabor. Hier war Zutritt nur im Kittel erlaubt, der jeweils mit großem Hallo übergestreift wurde. Vier Ratten ließen sich von den Kindern in die Hand nehmen und bewiesen ihre Geschicklichkeit an mehreren Teststationen. „Wie heißen die Ratten denn?“ Dies war die einzige Frage, die unbeantwortet bleiben musste – Forscher kommen ohne Namensgebung aus. Zum Schluss gab es als „Beweis“ für die Teilnahme an dem Kurs für jedes Kind noch einen Rattenstempel ins Studienbuch. Mit zufriedenen Gesichtern und bepackt mit zwei Forschermagazinen verließen die Gäste nach zwei ereignisreichen Stunden das Institut – noch schlauer als zu Beginn des Workshops.

Macher und Mitmacher des Workshops

 

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Bei Fragen zum Workshop wenden Sie sich bitte an

Prof. Dr.­ Mathias Hoehn

(In-vivo-NMR)